Amon Sul  
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Charakter

 

Auch der Xoloitzcuintle ist nicht gerade der einfachste Hund! Es sind Urtyphunde mit allen Vor- und Nachteilen die das mit sich bringt: ein ursprüngliches Wesen, dass an unsere Gesellschaft nicht 100%ig angepasst ist.
Im Gegensatz zum Thai Ridgeback und den meisten anderen Urhunden sind sie jedoch keine Jagdhunde, sondern wurden schon von den Azteken als Wach- und Begleithunde gehalten. Daher sind sie vielleicht einen Tick einfacher zu halten, was aber noch lange nicht heißt, dass er mit modernen europäischen oder nord-amerikanischen Rassen zu vergleichen ist.
Um als halbwilder Pariahund überleben zu können, neigt auch der Xolo zu Vorsicht und kann mitunter scheu werden. Viele lassen sich von Fremden nicht gerne anfassen. Haben sie die Möglichkeit würden sie eher zurückweichen, verteidigen sich aber zur Not – wenn sie in die Enge getrieben werden - auch schon mal mit den Zähnen. Daher ist eine intensive und fachkundige Sozialisierung absolut notwendig!
Der Xolo ist sehr sensibel, gleichzeitig hat er aber einen eisernen Willen und ist niemals unterwürfig. Charakteristisch ist auch seine Anhänglichkeit und sein Bedürfnis nach körperlicher Nähe und er verkümmert, wenn er keine Bezugsperson hat. Ein liebevoller und freundlicher Umgang mit ihm, gepaart mit absoluter Konsequenz ist also unbedingt nötig, wenn man sein Heim (und Bett ;-) mit einem Xolo teilen möchte.
Erreicht man so eine optimale Mensch-Hund-Beziehung hat man im Xolo einen treuen Begleiter, der am liebsten immer in der Nähe seiner Besitzer ist. Daher sollte er möglichst nicht viel alleine gelassen werden und natürlich ist er auf gar keinen Fall für die Zwingerhaltung geeignet (was sich bei den Nackten natürlich von selbst versteht, aber auch ein Behaarter möchte ständigen Familienanschluss)!

Der Xolo ist sehr wachsam und meldet Ungewöhnliches sofort. Er wird auch sicherlich versuchen seine Familie im Notfall zu verteidigen. Fördern sie diese Anlage jedoch nicht unnötig, das könnte zu einem übertriebenen Schutztrieb führen.

Die Ausbildung ist natürlich nicht vergleichbar mit der einer Arbeitsrasse, dennoch lernt der Xolo für einen Urtyphund erstaunlich gerne und schnell. Es sind sehr intelligente Hunde, die gerne zusammen mit ihrem Besitzer arbeiten. Vorrausgesetzt das Training basiert ausschließlich auf positiver Bestärkung – Druck und Härte erschüttern sein Vertrauen in seinen Menschen und machen ihn bockig, ängstlich oder gar aggressiv!
Da die meisten Xolos sehr verfressen sind, ist die Wahl der Belohnung nicht schwer und der Xolo tut nichts lieber als sich einen Extra-Happen zu verdienen! Auch im Hundesport – insbesondere beim Agility – sind einige Xolos erfolgreich. Er ist kein Arbeits-Spezialist, der unbedingt in einer bestimmten Sparte geführt werden muss, aber in irgendeiner Form sollte er auf jeden Fall sinnvoll beschäftigt werden!

Mit anderen Hunden ist das so eine Sache. Als Urhund hat der Xolo natürlich ein sehr ursprüngliches und differenziertes Sozialverhalten. Dazu gehören aber natürlich auch aggressive Verhaltensweisen. Als bewegungsfreudiger, netter Hund der er ist, spielt er im allgemeinen sehr gerne mit anderen Hunden – gefallen lässt er sich jedoch nichts und unterwerfen wird er sich nie! Dabei vergisst er leider auch, dass er kein schützendes Fell hat und meist auch kein vollständiges Gebiss und stürzt sich todesmutig auch in so manche Rauferei. Es sei denn er gehört zu den eher ängstlichen Exemplaren, aber auch dann ist defensive Aggression sein Mittel der Wahl – spätestens dann, wenn eine Flucht nicht möglich ist.
Mit fremden, lieben Hunden oder solchen, die der Xolo von klein auf kennt, sollte es also keine Probleme geben. Im gleichen Haushalt kann es zwischen gleichgeschlechtlichen Hunden zu Problemen kommen. Ist einer der beiden ein Hund mit Fell und vielen Zähnen, sieht es am Ende meist schlecht aus für den Xolo und im schlimmsten Fall muss einer der beiden abgegeben werden. Es ist also stets sehr gut zu überlegen, ob man das Wagnis der Mehrhundehaltung eingehen möchte, insbesondere dann, wenn mindestens einer der beteiligten Hunde ein Urtyphund sein soll.
Oft kommt es auch zu Missverständnissen in der Kommunikation. Nicht weil der Nackthund keine Haare hat und so in seinem Ausdrucksverhalten eingeschränkt ist (er kann ja nicht die Nackenhaare aufstellen und auch die Mimik ist nicht so eindeutig) – dieses Manko kann der Xolo durch seine restlichen sehr umfangreichen Ausdrucksformen kompensieren – sondern weil moderne Hunderassen oft viel weniger differenziert kommunizieren.
Als Mensch tut man sich jedoch eher schwer die Körpersprache des Xolos zu deuten. Selbst mir als Expertin fällt es hin und wieder schwer zu sagen, welcher Gemütszustand einem gewissen Verhalten zu Grunde liegt. Daher finde ich es bei Nackthunderassen noch wichtiger als bei allen anderen, sich intensiv mit den Ausdrucksformen des Hundes zu beschäftigen und seinen Hund sehr genau zu beobachten!

Der Xolo ist nicht nur optisch ein sehr besonderer Hund! Auch sein Wesen ist etwas ganz besonderes – ursprünglich und dennoch anpassungsfähig, wenn er nur in der Nähe seines Menschen sein darf. Vorausgesetzt dieser Mensch ist ihm ein souveräner und liebevoller Führer, der ihn in unsere moderne Gesellschaft unterstützt und auch bereit ist so manche Macke seines Hundes hinzunehmen. Dafür wird er viel Liebe zurückbekommen und braucht nie wieder eine Wärmeflasche ;-)