Der Lundehund ist eigentlich eine überdurchschnittlich gesunde Rasse: sehr robust, langlebig und sportlich. Es sind keinerlei typische Erbkrankheiten in der Rasse bekannt, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass die letzten wenigen Lundehunde, auf welchen die Rasse in enger Inzucht wieder aufgebaut wurde, genetisch völlig gesund waren und somit gar keine Erbkrankheiten weitergegeben wurden.
Aber es wäre ja zu schön um wahr zu sein und so hat auch der Lundehund ein über sich schwebendes Damoklesschwert: das Lundehundsyndrom.
Das größte Problem mit dieser Krankheit ist das fehlende Wissen und die Verbreitung von Halbwahrheiten. Da ich das nicht auch noch machen möchte, verstehen Sie diesen Text bitte als Sammlung verschiedener Meinungen und überlegen Sie selbst, wie Sie damit umgehen möchten.
Schon allein bei der Namensgebung gibt es verschiedene Meinungen: „Lundehundsyndrom“ war lange Zeit die gängige Bezeichnung, wurde dann aber als unkorrekt durch die konkrete Krankheitsbezeichnung „Intestinal Lymphangiektasie“ ersetzt. Einige Autoren schreiben aber nun wieder, dass IL zu spezifisch sei und nur ein Teil des Lundehundsyndroms, welches noch mit anderen Krankheiten einher gehen kann.
Wie auch immer man es nennt – einfach ausgedrückt ist es eine Erkrankung des Verdauungssystems. Bei IL arbeitet die Lymphflüssigkeit, die Nährstoffe aus dem Darm aufnimmt und ins Blut transportiert, nicht richtig, leckt stattdessen in den Darm, wodurch Fette und Proteine unverdaut ausgeschieden werden. Dies wiederum führt dazu, dass der Fett- und Proteingehalt im Blut nicht mehr hoch genug ist, die Leber muss Proteine synthetisieren und wird so auf Dauer überbeansprucht. Der osmotische Wert des Blutes sinkt und Wasser sammelt sich im Gewebe, Bauchhöhle mitunter auch in der Herzkammer... (>eine genaue Beschreibung des Krankheitsverlaufes folgt noch).
Unter dem Oberbegriff LS wird diese und noch andere Veränderungen des Verdauungssystems zusammen gefasst.
Lundehunde, die erkranken, weisen meist (aber nicht immer) starken Durchfall und Erbrechen auf.
Soviel zu dem was man weiß. Folgende Dinge weiß man entweder gar nicht oder die Quellen widersprechen sich, zum Teil um komplett:
1. Ist Lundehundsyndrom erblich?
2. Wie viele Lundehunde sind davon betroffen?
3. Ist Lundehundsyndrom tödlich?
4. Wie kann ich den Ausbruch von Lundehundsyndrom verhindern? Wodurch wird es ausgelöst?
5. Worin liegt die Ursache?
Alles in Allem: wie groß ist das Problem wirklich???
Ad 1.: Ich habe oft gelesen, dass es als nicht-erblich gilt. Und war eigentlich auch dieser Meinung, habe aber erst kürzlich ein Exposé von Frau Ingvild Svorkmo Espelien – Mitglied des Zuchtbeirats für den Norsk Lundehund in Norwegen, Diplombiologin (mit Schwerpunkt Genetik und Zellbiologie) und tätig als Oberstudienrätin/Dozentin für Kleintierkunde – eine andere Meinung gelesen. Und zwar, dass man auf Grund des Vermehrten Auftretens innerhalb dieser Rasse durchaus von einer erblichen Disposition ausgehen kann.
Allerdings wird der Zuchtausschluss von erkrankten Tieren nicht als zielführend angesehen. Auch bei der Ahnenforschung erkrankter Tiere konnten keine einzelnen Tiere als Träger der Krankheit identifiziert werden. Vielmehr tritt die Krankheit völlig zufällig auf sämtliche Familien verteilt auf. Allerdings sind alle Lundehund – im Vergleich zu anderen Rassen – überdurchschnittlich eng miteinander verwandt und man kann deshalb nicht von verschiedenen, sondern nur von einer einzigen Linie sprechen. Ist in dieser Linie eine Krankheit genetisch verankert, betrifft sie natürlich alle Mitglieder gleichermaßen.
Ad 2. Hier gehen die Meinungen völlig auseinander! Ich habe gelesen, dass 90-100% aller Lundehunde die Krankheit in sich tragen, wobei es nicht bei jedem Hund ausbrechen muss.
Frau Dr. Nora Berghoff schreibt in ihrer Dissertation über das Lundehundsyndrom, dass etwa die Hälfte aller untersuchten Tiere (in den USA) betroffen war, während oben erwähnte Frau Espelien von nur etwa 10% der Population schreibt.
Ich kann hierzu keine eigene Meinung vertreten.
Ad 3. Auch hier finden sich keine genauen Angaben. Frau Espelien schreibt, dass nahezu jeder erkrankte Hund geheilt werden kann. Ich habe aber auch schon von Hunden gehört, die zeitlebens auf Diät gehalten werden mussten um symptomfrei zu bleiben. Von solchen, die nach langem Kampf verstarben und solchen, die nach nur wenigen Stunden plötzlich den Tod fanden. Ebenso gibt es auch Lundehunde, die nach einer Behandlung wieder völlig gesund wurden. Eine objektive Meinung zu diesem Thema, kann man sich schlecht bilden, da sich natürlich Geschichten von tragischen Todesfällen viel schneller und weiter verbreiten, als Geschichten von kurzen, auskurierten Krankheiten.
Ad 4. Es heißt sehr oft, Lundehunde würden kein Säugetierfett vertragen und eine herkömmliche Ernährung würde LS auslösen. Als Grund wird die jahrhundertlange Ernährung ausschließlich mit Fisch und Papageientaucherfleisch genannt. Leider wird in dem Exposé von Frau Espelien nicht näher darauf eingegangen, dennoch aber bei selbst zubereiteten Futter eine Ernährung mit leichtverdaulichem weißen Fleisch, von Geflügel und Fisch empfohlen. Es gibt aber durchaus auch Lundehund-Halter, die ihre Hunde völlig normal auch mit Rindfleisch usw. ernähren und auch diese haben Hunde, die bis ins hohe Alter gesund bleiben.
Ich, für meinen Teil, finde, das Risiko einer falschen Ernährung – selbst wenn es nur ein Ammenmärchen ist – lässt sich heutzutage gut ausschalten und deshalb füttere ich ausschließlich Geflügel und Fisch.
Stress gilt allgemein als Auslöser, darin stimmen die Autoren überein. Nicht jedoch in der Auslegung, was genau einen Lundehund zuviel in Stress versetzt. Zwingerhaltung, Überbeanspruchung, Unfälle, andere Erkrankungen usw. sind sicherlich Stressoren, die LS auslösen können. Auf der anderen Seite wird auch davon abgeraten einen Lundehund überbehütet zu halten.
Speziell Ylvie kommt mir eigentlich nicht sehr gestresst vor. Ich denke eine ganz normale Haltung mit Familienanschluss, liebevoller Erziehung und angemessener Vorsicht, ist für jeden Hund, wie auch den Lundehund das Beste.
Nur bei Frau Espelien habe ich bis jetzt auch über einen Ansteckungsfaktor gelesen. Oft erkranken Lundehunde innerhalb einer Familie gleichzeitig. Wobei natürlich auch hier der Stressfaktor miteinbezogen werden muss, da ein erkrankter Hund naturgemäß der ganzen Familie inklusive weiterer Hunde zusetzt. Es wird aber auch von einem Fall berichtet indem auch ein Samojede an LS erkrankt ist, kurz nachdem die Krankheit bei dem in der selben Familie lebenden Lundehund aufgetreten war.
Teilweise wird empfohlen regelmäßig Bluttests zu machen um einen Ausbruch möglichst früh zu erkennen. Ebenso wird aber auch gesagt, dass diese Maßnahme unnütz sei, möglicherweise durch den Stress bei den regelmäßigen Untersuchungen ihrerseits wieder ein Auslöser sein könnte.
Von Kastration wird ebenfalls abgeraten, da kastrierte Hunde öfter erkranken, ob durch den veränderten Hormonhaushalt, den Stress während der Operation oder den Stress als Kastrat zu leben sei dahin gestellt.
Ad 5. Meine persönliche Meinung ist, dass es sich beim LS um eine Degenrationserscheinung aufgrund der engen Verwandtschaft (Inzuchtdepression) handelt. Diese Meinung vertritt auch Frau Espelien.
Inzuchtdepression ist die Bezeichnung für den Verlust der allgemeinen Fitness. Ein Phänomen, dass durch zu geringe Genvariabilität auftritt. Dies kann sich durch verminderte Fortpflanzungsfähigkeit, schlechteres Immunsystem uvm. äußern. Dies ist, meiner Meinung nach, auch eine logische Erklärung für eine solche Krankheit.
Wie groß ist das Problem wirklich?
Ich weiß es nicht! Für mich habe ich lange überlegt, ob ich eine Rasse mit einer solchen Bürde wirklich halten möchte, ständig in der Angst lebend, der Hund könnte jeden Moment tot umfallen. Frei nach dem Motte „Wer nicht wagt der nicht gewinnt“, habe ich mich entschlossen, es einfach zu probieren und selbst zu sehen, wie groß die Problematik tatsächlich ist.
Ich habe mir auch gut überlegt, ob ich eine solche Rasse züchten möchte. Da sich aber schon viele Menschen bei mir gemeldet haben, die es ebenso wie ich, einfach einmal probieren möchten und einem Lundehund ein Zuhause geben möchten und da die möglichst große Erweiterung des Genpool auch die einzige Möglichkeit ist, diesem Problem entgegen zu wirken, bin ich auch hier zu dem Schluß gekommen, es ist den Versuch zweifellos wert.
In Norwegen, den USA und Deutschland wird auch auf diesem Gebiet geforscht und es lässt für die Zukunft hoffen, dass aus Meinungen irgendwann einmal wissenschaftliche Daten werden.
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